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Phänomenologie und Idealismus. Struktur und Methode der Philosophie Rudolf Steiners. (Überarbeitete Dissertation)

Jaap Sijmons

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Buchbeschreibung
"Das wichtigste Problem alles menschlichen Denkens ist das: den Menschen als auf sich selbst gegründete, freie Persönlichkeit zu begreifen." Dieser Schlussatz von Rudolf Steiners Dissertation Wahrheit und Wissenschaft (1892) enthält lapidar die Grundfrage seiner ganzen Philosophie. Steiner stellte sich diese Frage, als er zum ersten Mal Kant und dann als junger Student Fichte las. Diesem Problem widmete er sein erkenntnistheoretisches Hauptwerk Die Philosophie der Freiheit (1894). Seine Freiheitsphilosophie erklärt auch sein Eintreten für Nietzsche gegen die damalige herrschende Richtung der Philosophie und liess ihn schließlich, im Unterschied zur Theosophie, in die er sich nach der Jahrhundertwende involvierte, eine entwickeln, das heißt eine spirituelle Menschen- und Weltanschauung, die das Freiheitsmoment des menschlichen Geistes in den Mittelpunkt stellt. Diese Problemstellung bringt Steiner schon unmittelbar in die Nähe Fichtes, Schellings und Hegels. Steiner betrachtete sich als einen Erneuerer des Idealismus, der nicht einfach aus den Schriften dieser Denker schöpft, sondern der sich den Idealismus neu auf phänomenologischen Grundlagen und namentlich anknüpfend an Goethes naturwissenschaftliche Arbeit aufbaut. Der Autor untersucht in seiner historisch-kritischen Arbeit die Methode und die Strukturaspekte von Steiners Philosophie und unternimmt im Abschluss eine Würdigung, die Steiner jenseits von Apologetik und Polemik eine gebührende Stelle in der Geschichte der Philosophie zu geben versucht. Die Hauptfragen von Sijmons' Untersuchung sind: Wie hat Rudolf Steiner einen um die Freiheit zentrierten Idealismusauf phänomenologischer Grundlage schaffen wollen? Was ist seine philosophische Methode gewesen? Wie verhalten sich dabei die objektive Idee und das subjektive Erlebnis derselben (Bewusstsein) oder Wissen und Handeln (Freiheit) zueinander?


Buchkritik und Entgegnung des Autors - © (2009) by interesting-books-selector.com

Michael Muschalle hat eine detailierte Kritik zu diesem Buch verfasst, die er in Rudolf Steiners Begriff der Denk-Beobachtung, Kapitel 9.1, Über das Zusammenfallen von Wahrnehmung und Begriff und intuitives Denken veröffentlich hat. Muschalle schreibt dort u.a.:

Die Entgegnung von Jaap Sijmons (eingegangen am 01-Sep-2009) lautet:

“Ja, ich glaube gerade deswegen unterscheidet sich das Denken als geistige Tätigkeit von leiblichen Tätigkeiten, wie dem Verdauen (auch das Beispiel Steiners im III. Kapitel) und dem instinktiven Bauen eines Bibers, weil alles Erkennen im und durch das Denken anfängt und das Denken das wache Bewusstsein hervorbringt. Man kann die urteilende Tätigkeit des Denken und das wache Bewusstsein kaum unterscheiden (obwohl als Begriffe verschieden), denn das Eigentümliche des Denkens (hier jedenfalls nicht ‘Gedankenbilder haben’, sondern ‘Gedanken durch das Denken verarbeiten, PdF, S. 55) ist, dass die Tätigkeit eben nicht schlafend oder träumend ("elementar-naturhaft“, Muschalle) ausgeübt wird, aber eben die Wachheit selber ausmacht. Das Ungereimte liegt eher in der Vorstellung, man könne Denken (im Sinne Steiners) und zugleich keine Kenntnis davon haben. Das Denken sei also nicht - wie ich behaupte - das Bestbekannte überhaupt, sondern ist eher - wie Muschalle meint - unbekannt, wie dem Biber sein Bauinstinkt (oder dem durchschnittlichen Mensch seine Verdauung). Die Erkenntnis des Denkens sei, nach Muschalle, etwas anderes und könne auch fehlen. Zwar kann eine Theorie des Denkens fehlen, etwa auch die Logik als Disziplin unbekannt sein, aber die unmittelbare Gewissheit des Denkens nicht. Wenn Steiner über das Denken sagt: "eben weil wir es selbst hervorbringen, kennen wir das Charakteristische seines Verlaufs“ (PdF, S. 44), meint er nicht: "eben weil wir es selbst hervorbringen, können wir darüber uns theoretische Begriffe bilden“. Nein, wir können es "unmittelbarer und intimer erkennen ... als jeden andern Prozeß der Welt“ (ebd.).

Wir brauchen gerade den Umweg, dass der Gegenstand uns fremd gegenübersteht, und wir die entsprechenden Begriffe erst hinzu zu suchen haben, nicht einzuschlagen. Die Fremdheit der Begriffe (die uns ja allerdings erstmal fehlen können) tritt nicht auf. Muschalles Bild wäre: ja, wir finden  - wie Steiner meint - schon Begriffe zu den Wahrnehmungen zur Überwindung der anfänglichen Fremdheit der Gegenstände, aber damit ist nur wenig getan, weil wir den Begriff selber zwar ‚tun’, jedoch davon kein Bewusstsein haben und mühselig nachher noch einmal unsere Erkenntnis erkennen lernen müssen (aber wie?). Dies ist zwar eine heute weitverbreitete Ansicht ("wir wissen eigentlich nicht, wie die Erkenntnis im Kopfe vor sich geht“), Steiner aber sagt:

"Was in den übrigen Beobachtungssphären nur auf mittelbare Weise gefunden werden kann, das wissen wir beim Denken auf unmittelbaren Weise“ (ebd., meine Kurs.). Steiner meint wohl nicht, dass der Ausnahmezustand, also die Beobachtung des Denkens, erst diese Bekanntheit zustande bringt, denn diese ist schon im Denken da: "Denn er beobachtet etwas, dessen Hervorbringer er selbst ist ... Er weiß, wie das zustande kommt, was er [nun zusätzlich, J.S.] beobachtet“ (PdF, S. 46). D.h. er weiß es schon, nur war er sich dieses Wissen nicht so explizit bewusst, weil es z.B. nicht für sich betrachtet und sprachlich erfasst war. Aber ein richtig unbewusstes Wissen, nun, das gibt es bei Steiner in der PdF nicht. Denn auf diesem unmittelbaren Wissen beruht ja auch, nach Steiner, unser Selbstbewußtsein: "Weil er sein Denken auf die Beobachtung richtet, hat er Bewußtsein von den Objekten; weil er sein Denken auf sich richtet, hat er Bewußtsein seines selbst oder Selbstbewußtsein....Denn wenn das Denken den Blick auf seine eigene Tätigkeit richtet, dann hat es seine ureigene Wesenheit, also sein Subjekt, als Objekt zum Gegenstande.“ (PdF., S. 60). Der Ausnahmezustand im Sinne Steiners (Beobachtung des Denkens, das Wesensgleiche wie ‚das Denken, das sich auf sich richtet‘) ist also nur die systematische Steigerung des Selbstbewusstseins (das ‚Ich‘’ aber nun im Bewusstsein des Ich-Bewusstseins), das aber schon in unserem normalen Bewusstsein enthalten ist, weil wir das alltägliche Selbstbewusstsein bereits haben und ja, wir bringen jemand bald in Verlegenheit zu fragen, "was ist das Selbst, das Du Dir bewusst bist?“ . So wie wir das normale Selbstbewusstsein haben, wissen wir auch von der Tätigkeit des Denkens. Die Inhalte der Begriffe übertönen vor allem und dadurch fortwährend dieses Wissen, während wir mit ihnen den Gegenstand begreifen, zu welchem wir uns aus Gewohnheit hinwenden. Alles Erkennen fängt aber mit dem Denken an, von dem wir auszugehen haben als "was uns als das Nächste, als das Intimste gegeben ist“ (PdF., S. 53). Weil das Denken in sich durch das Selbstbewusstsein  klar ist, haben wir überhaupt Tagesbewusstsein und Erkenntnis. So können wir meines Erachtens  Steiner hier gut verstehen. Ich bin dsbgl. in der Tat eher auf Röscherts Seite als auf der Seite Schopenhauers. Steiner steht - in dieser Interpretation - übrigens gar nicht allein mit seiner Betrachtung des selbstbewussten Denken, und diese verbindet seine Philosophie nicht nur mit der Alltäglichkeit des Bewusstseins, sondern auch mit der philosophischen Tradition und dem damaligen akademischen Umfeld. Deshalb folgere ich: